Der Wellenastrild von Jürgen Puhl

Der Wellenastrild

Nach dem Aufruf von Zuchtfreund Jörg Westphal habe ich mich entschlossen den nachfolgenden Artikel für die Homepage zu schreiben. Dieser Artikel entspricht inhaltlich einen Beitrag in der Vereinszeitschrift von 2018, welchen ich ebenfalls verfasst habe. Ich denke aber, anknüpfend an besagtem Aufruf, dass dies okay ist. Ich bin kein Wissenschaftler und deshalb erhebt dieser Artikel auch keinen Anspruch auf eine wissenschaftlich begründete Betrachtungsweise. Auch der eine oder andere Vogelfreund oder die eine oder andere Vogelfreundin werden nicht jeder Aussage zustimmen und andere Erfahrungen gemacht haben. Hier sollen einfach ein paar, von mir gemachte, Erfahrungen dargelegt werden welche ich bei der Haltung und Zucht des Wellenastrild (Estrilda astrild (Linnaeus, 1758)) gesammelt habe.

Auf eine Beschreibung möchte ich verzichten, siehe auch die Bilder. Nur so viel, seine Größe variiert zwischen 10,5 und 12,5 cm und sein Gewicht zwischen 6 – 11g. Die Geschlechter lassen sich an Hand der Färbung der Unterschwanzdecken unterscheiden, diese sind beim Hahn schwarz bei der Henne eher grau.

In der Literatur werden 15 (Fry & Keith (2004)) bzw. 17 (Dickinson (2003)) Unterarten beschrieben. Zum einen gehe ich davon aus, dass diese Unterarten, wenn ihre genaue Herkunft nicht bekannt ist, für den „normalen“ Züchter kaum bis gar nicht zu unterscheiden sind zum anderen dürften sich die Unterarten in unseren Volieren vermischt haben. Das widerspiegelt sich auch in den Nachzuchtstatistiken in denen die Nachzuchten nicht oder selten den einzelnen Unterarten zugeordnet werden. Übrigens geht man auch davon aus, dass sich die verschiedenen Unterarten in den Grenzbereichen ihrer Verbreitungsgebiete verpaaren.

Das Verbreitungsgebiet des Wellenastrild erstreckt sich über weite Teile des afrikanischen Kontinents. Eingebürgert wurde er u.a. auf St. Helena, Mauritius aber auch in Europa, wie zum Beispiel in Portugal. Sein Bestand ist nicht gefährdet.

Ich halte meine Vögel in Kleinvolieren von mindestens einen halben Kubikmeter Inhalt oder in der Voliere. Zur Zucht nutze ich auch Zuchtboxen von mindestens einem Meter Länge.

Die Käfige und Volieren werden zusätzlich mit LED Leuchten und Arcadia Bird Leuchtstoffröhren beleuchtet. Die LED sollten dem Tageslicht nahekommen. Unabhängig davon wird Sonnenlicht geliebt, auf schattige Plätze aber ist zu achten.

Da die Vögel sehr bewegungsfreudig sind und jeden Winkel des Käfigs bzw. der Voliere untersuchen gilt je größer desto besser. Die Haltung ist nicht schwierig.  Die Vögel sind untereinander und gegenüber anderen Arten sehr verträglich. Die Zucht gelingt nicht immer auf Anhieb.

In Ruhephasen bekommen meine Vogel Astrildfutter zweimal wöchentlich ein Vitaminpräparat (Combex), Nekton MSA über das Keimfutter. Gern genommen wird Kolbenhirse, auch halbreife Hirse und Grünfutter, wobei meine Tiere Gurken verschmähen. Außerdem gebe ich in unregelmäßigen Abständen Foniopaddy. Was Mineralien betrifft so setze ich auf Sepiaschalen, zerstoßene Eierschalen (vorher erhitzen), auf Cede Vogelmineralien, auf Vogelkohle und Vogelerde. Ich nutze auch Vogelsand, allerdings nicht als Einstreu. Dazu verwende ich in den Volieren Buchenholzspäne, in den Käfigen ein Mais Granulat. Zur Brut werden Keimfutter, halbreife Hirse und Grünfutter häufiger angeboten. Unverzichtbar ist nun auch tierisches Futter, was vorher maximal einmal wöchentlich angeboten wird. Meine Vögel bevorzugen gefrorene weiße Mückenlarven und gefrorene Buffalos. Gelegentlich werden auch eingefrorene Ameisenpuppen genommen, sind aber nicht der Renner.  Frostfutter wird vor der Gabe aufgetaut und muss stets frisch sein. Lebendfutter verwende ich nicht mehr. Manche Züchter meinen, dass der Anteil an tierischer Kost in der Brutphase verringert werden muss, ich mache das nicht und habe damit keine negativen Erfahrungen gemacht. Wichtig ist nur, dass nach dem Schlüpfen der Jungvögel sehr kleines tierisches Futter, bei mir die Mückenlarven, angeboten werden.

Die Vögel bauen ein kugelförmiges Nest im Dickicht. Soll heißen sie brauchen eine geschützte, versteckte Möglichkeit im Gezweig. Auf dem Nest wird ein sogenanntes Hahnennest gebaut. Ein Paar bei mir meint es gut und baut stets zwei Hahnennester auf das eigentliche Nest. Die Brutzeit beträgt bei mir ca. zwölf, maximal vierzehn Tage. Die Jungvögel werden gut gehudert. Manche Altvögel suchen in den letzten Tagen der Nestlingszeit der Jungvögel nur noch zur Nacht das Nest auf. Nach etwa 17 – 20 Tagen verlassen die Jungvögel das Nest und werden noch oft von den Altvögel zur Nacht ins Nest gelockt. Das Nest wird aus Kokosfasern und manchmal auch aus Grashalmen gebaut. Ausgepolstert wird es von meinen Vögeln höchstens mit etwas Moos. Der Hahn führt die Halmbalz durch und nutzt anstelle des Halmes auch gern eine, für seine Verhältnisse, große Feder.

Nestkontrollen werden bei mir nicht toleriert. Deshalb verzichte ich auf Nestkontrollen und eine Beringung. Die Tiere sind in Volieren während Brut oft so heimlich, dass man manchmal das Brutgeschehen nur vermuten kann, da sich meist nur ein Altvogel zeigt. Übrigens verlassen brütende Vögel häufig bereits beim Betreten der Räumlichkeit das Nest und kehren erst beim Verlassen dieser wieder auf das Nest zurück.

Wellenastrilde gehören nicht zu den, nach menschlicher Auffassung, buntesten Prachtfinken aber bestimmt zu den Interessanten. Sie sind, wie bereits angemerkt, sehr lebhaft und erkundungsfreudig. Aus diesem Grund sollten sie auch gute Versteck- und Stöbermöglichkeiten in dichtem Gebüsch haben aber auch genug Flugraum.

Literatur:

„Prachtfinken Afrika“ Jürgen Nicolai, Joachim Steinbacher (Hrsg)

Renate van den Elzen, Gerhard Hofmann, Claudia Mettke-Hofmann

3.neu bearbeitete und neu gestaltete Auflage

Eugen Ulmer Verlag 2007

 

Jürgen Puhl

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